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Was haben Liebesbündins und iPhone gemeinsam? Drucken E-Mail

Eine Vision zur Nacht des Heiligtums von Norbert Becker


Als Apple 2007 das neue iPhone der Weltöffentlichkeit präsentierte, waren die Meinungen wohl geteilt. Die einen – die sog. herkömmliche Microsoft-Windows-Fraktion - wusste gar nicht so genau, was es mit diesem iPhone auf sich hat und was daran jetzt so toll und außergewöhnlich sein soll.

Image Skepsis war angesagt, denn schließlich wusste man von Apple nur von einigen Freunden, kannte sich aber selbst in der Welt von iBook und Mac überhaupt nicht aus – eine fremde, andere Welt und ein ganz eigenes Betriebssystem. Was, wenn das iPhone genauso fremd ist und man sich damit nicht zu Recht findet.

Und dann die andere Fraktion: die Apple-Fans. Gekennzeichnet durch ein Glänzen in den Augen, sobald das Wort iPhone nur irgendwo zu hören war, und durch einen ganz eigenen Wortschatz aus der Apfel-Welt. Für sie war es nicht die Frage, ob sie irgendwann ein iPhone besitzen, sondern ledglich wann sie dieses besitzen können.

Was hat das alles mit unserem Liebesbündnis zu tun? Im Vergleich eine ganze Menge, wie mir im Nachklang dieser „Nacht des Heiligtums“ aufgegangen ist.

Wir Schönstätter sind, wie die Apple-Fans, für den „normal sterblichen“ Außenstehenden wohl auch oft eine etwas eigene Truppe. Wir reden begeistert von unseren Aktionen und Projekten, leben quasi auch in einem eigenen „Betriebssystem“ und haben es auch geschafft uns einen ganz eigenen Wortschatz zuzulegen, der für den Schönstatt-Laien wohl oft nur schwer verständlich ist.

MTA, Blankovollmacht, GTO, Gnadenkapital, Liebesbündnis, Werkzeugsfrömmigkeit…

Ich denke man sieht, was gemeint ist.

(Und zum Glück stellt sich ja unser neues Projekt „Erklär mir Schönstatt“ diesem Problem)

Gerade in den letzten Zeit ist mir bei meinem besten Freund aufgefallen, wie gerne er mit uns Schönstättern zu tun hatte, wie gern er uns unterstützt hat und wie er wohl auch unsere echte Glaubensbegeisterung geschätzt hat - ähnlich, wie wohl der gemeine Windows-User im Umgang mit Apple-Fans begeistert ist, was diese alles mit ihren kleinen iBooks zaubern und wie viel Freude sie damit haben.

Und dennoch ist er skeptisch geblieben, weil er unser ganzes Gerede von MTA, von Liebesbündnis, von Heiligtum, usw. nicht ganz nachvollziehen konnte, ebenso wie ich - und jetzt oute ich mich als Angehöriger der Windwosfraktion – es unheimlich faszinierend finde, wenn Freunde durch ihre Macs surfen, ich aber selbst kritisch bleibe, weil ich diese Apple-Welt nicht richtig verstehen und nachvollziehen kann und nicht weiß, ob es etwas für mich ist.

Bei der diesjährigen „Nacht des Heiligtums“ ist dann eine Menge passiert. Gleich drei sehr gute Freunde von mir waren an diesem Wochenende mit dabei, die alle Schönstatt vom Hören und Sagen, aber nicht vom Erleben gekannt haben.

Wie ich als Mac-Laie schon wusste, dass die echten Mac-User total begeistert sind von ihrem eigenen System und mich das auch fasziniert hat, ich aber doch skeptisch geblieben bin, so waren auch sie an Schönstatt interessiert, hatten gerne mit einigen Schönstättern zu tun, aber haben sich doch bedeckt gehalten und einige Skepsis an unseren Ideen und unserem Wortschatz geäußert – bis sie Schönstatt selbst erlebt haben.

Dieses Erleben von Schönstatt hat viele skeptische Fragen von selbst beantwortet, einfach durch die Art, wie sie uns als junge Schönstätter erlebt haben. Es wurde z.B. durch die Nacht des Heiligtums und die Art, wie wir zusammen gefeiert haben sichtbar, was Liebesbündnis heißt, was uns das Heiligtum bedeutet, warum uns Gemeinschaft so wichtig ist usw.

Eine Freundin aus diesen drei Freunden hat gleich an diesem Wochenende ihr Liebesbündnis geschlossen, ein anderer hat sich in der darauffolgenden Woche für die Vorbereitung zum Mitarbeiterbündnis angemeldet und der dritte ist interessiert mehr über Schönstatt zu erfahren und möchte zu weiteren Treffen kommen.

Was will ich damit sagen: Ganz einfach: Liebesbündnis kann man nur zu einem bestimmten Grad erklären und erläutern, aber letztlich muss man es erleben, um zu verstehen, was es denen, die es geschlossen haben, bedeutet.

Nochmal der Mac-Vergleich:  Mein Interesse an Apple ist immer dann gestiegen, wenn ich Leute erlebt habe, die gerade an ihrem iBook gearbeitet haben oder sogar mich daran haben arbeiten lassen und mir die Sache dabei erklärt haben.

Aber bestimmt wurde ich nicht begeistert, wenn Leute im Fachjargon über Mac gefachsimpelt haben.

Und hier ist in der letzten Zeit meine Vision von der Nacht des Heiligtums gewachsen:

Ich möchte, dass besonders die „Nacht des Heiligtums“ zukünftig zu einer Veranstaltung wird, die gerade auch Schönstatt-Neulingen die Chance bietet Schönstatt zu erleben.

Ich möchte, dass ich auch in Zukunft mit gutem Gewissen meine Freunde zur Nacht des Heiligtums mitbringen kann, ohne Angst haben zu müssen, dass diese dann mit der „Schönstatt-Keule“ erschlagen werden.

Ich möchte, dass sie einfach durch die Art, wie wir in Schönstatt gemeinsam unseren Glauben und das Liebesbündnis feiern, angesteckt werden von unserer Begeisterung.

Niemand entdeckt Maria für sich selbst in seinem Leben, nur weil sie an diesem Wochenende in tausend bunten und kitschigen Formen und Bildern angesprochen wird.

Aber die Leute entdecken Maria dann für sich, wenn sie erleben, was in Schönstatt mit MTA und Liebesbündnis gemeint ist, wenn sie merken, dass das Heiligtum für uns wirklich eine Kraftquelle und ein Gnadenort ist.

Um das den Leuten deutlich zu machen, muss ich aber eben gerade nicht in einer Leier von den Besonderheiten dieses Ortes, der MTA und des Liebesbündnis reden, als ob ich sie den Leuten eintrichtern wollte.

Vielmehr müssen diese Besonderheiten schlichtweg einfach erlebbar sein – und das war mein großes Anliegen auch in diesem Jahr, als ich zusammen mit Sr. M. Anastasia die Liturgie der „Nacht des Heiligtums“ vorbereitet habe.

Lassen wir doch die „neuen“ Leute in Zukunft erleben, wie sehr die Gottesmutter wirkt, nicht indem wir ständig in einer Tour davon reden, sondern indem wir den Leuten zeigen, wie sehr sie an uns selbst und in uns selbst wirkt und uns verändert.

Klar setzt dass trotzdem voraus, dass ich neuen Gesichtern Schönstatt auch erkläre und dass ich die Dinge, die wir an Schönstatt schätzen und die wir dort erleben auch ins Wort bringe – nur eben kurz, treffend und tief und nicht durch große Wortschwälle, als wäre unsere MTA nicht von sich aus wirkmächtig genug und bedürfe ständig noch unseren Worten und Erklärungen, damit Außenstehende auch ja verstehen, wo sie uns beheimatet, gewandelt und gesendet hat.

Noch eine Anmerkung: Für mich ist dies auch das Rezept unseres gesamten christlichen Glaubens: Niemand kommt heute mehr nur durch tolle Erklärungen und Argumente zum Glauben. Freilich sind diese eine wichtige Vorraussetzung, aber richtig ansteckend wird Glaube nur dort, wo Menschen merken, dass der Glaube für andere Menschen wirklich eine Kraftquelle ist und so vielleicht auch für sie selbst eine solche Quelle sein könnte.

Zum Abschluss möchte ich mich bei allen Bedanken, die der „Nacht des Heiligtums“ nach den Problemen im letzten Jahr in diesem Jahr eine neue Chance gegeben und durch ihr Dasein und Mitfeiern diese Nacht zu einem großartigen und unvergesslichen Erlebnis gemacht haben.

Im Namen des ganzen Kernteams ein herzliches Danke – auch an die vielen Helfer und die vielen tollen Rückmeldungen, die zu Mehr ermutigt haben!

Auf dass unsere „Nacht des Heiligtums“ weiter wachse und auch für viele Schönstatt-Neulinge künftig zu einem solchen tiefen Erlebnis werden kann.

 
 
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