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Unsere Botschaft muss raus! Drucken E-Mail

Erfahrungen mit den „Misiones“ in Chile von Frank Riedel


Die Zeiten, in denen Christen in ihrer Kirche sitzen und darauf warten konnten bis die Leute kamen und sich für sie und ihre Botschaft interessierten, sind lange vorbei. Wenn unser Glaube eine Zukunft haben soll, dann müssen wir hinaus mit ihm und ihn jenseits von schützenden Mauern verkünden.


So ist es zu verstehen, wenn in den letzten Jahren immer mal wieder von „Mission“ gesprochen wird. Gemeint sind damit nicht ferne Missionsstationen irgendwo in Afrika oder Südamerika, für die mal wieder Spenden gesammelt werden, sondern es geht um unseren Glauben hier in Deutschland, vor unserer Haustür. Aber wie kann das gehen, dass wir mit unserem Glauben etwas wagen und ihn hinaustragen in die Lebenswelt der Menschen um uns herum?

Ich will von einer Erfahrung erzählen, die ich in Chile gemacht habe und die ich wie viele andere, die sie einmal machen konnten, nicht mehr vergessen werde. Jedes Mal in den Ferien, egal ob Sommer oder Winter, machen sich dort viele Gruppen von Jugendlichen und Studenten auf den Weg und fahren auf „Misiones“. Das heißt, sie gehen für eine Woche irgendwo aufs Land, meist in ärmere Gegenden, um dort – ja, man wagt es kaum zu sagen – zu missionieren. Sie gehen von Haus zu Haus, um die Leute zu besuchen und mit ihnen „über Gott und die Welt“ zu sprechen. Die Redewendung ist in diesem Fall wörtlich zu verstehen, denn es geht auch darum, von seinem Glauben Zeugnis zu geben.Image

Für einen Deutschen wie mich gar nicht so einfach, dachte ich mir gleich zu Beginn. Das erinnert doch sehr an gewisse Sekten, deren Mitglieder immer im Doppelpack an der Tür stehen und über ihre religiösen Überzeugungen sprechen wollen. Also, ob ich meine Tür da öffnen würde – auch wenn sie behaupten, katholisch zu sein und noch dazu einen ganz vernünftigen Eindruck machen?!?

Irgendwann bin ich mal mit Chilenen über diese meine ersten Hemmschwellen ins Gespräch gekommen, worauf einer einfach nur zurück gefragt hat: „Meinst du, es kostet uns keine Überwindung, bei fremden Leuten zu klopfen und einfach so mit ihnen über unseren Glauben zu sprechen?“ – Okay, wir müssen halt wirklich raus aus den schützenden Mauern, und das darf auch etwas kosten...

Alles weitere ist dann aber etwa so wie der erste Kopfsprung im Schwimmbad. Man muss es einfach mal ausprobieren, um zu merken, dass es gar nicht so schlimm ist. Im Gegenteil: die Erfahrungen, die man dann machen kann, sind oft überwältigend. Wenn Leute erst mal ihre Tür öffnen (und das sind gar nicht so wenige!), dann öffnen sie meist auch ihr Herz.

Johannes, der zur Zeit als Voluntär in einer chilenischen Schule arbeitet, erzählt von seinen ersten Missions-Erfahrungen: „Wir waren bei einer ziemlich alten Frau zu Besuch, die sehr, sehr arm ist. Trotz allem lud sie uns zu sich ein in ihre Hütte, deren Fußboden aus der normalen Erde besteht und deren Wände aus Pappe sind und bot uns etwas zu trinken an und schenkte uns Früchte, als wir wieder gingen - sie wollte uns aber gar nicht gehen lassen, da sie so glücklich war, dass jemand kommt, um sie zu besuchen.“

Das ist typisch Misiones: glückliche Leute, die dankbar sind, dass man sie besucht und sich für sie interessiert. Oft fangen sie wirklich auch schnell an, von ihren Erfahrungen mit Kirche und Glauben zu erzählen. Manchmal entwickeln sich lange und tiefe Gespräche, nach denen sich die Missionare dann oft fragen, wer hier eigentlich wen missioniert, denn man wird dabei selbst wirklich reich beschenkt.

Für eine unvergessliche Erfahrung sorgen aber auch die anderen Jugendlichen in der Gruppe, mit der man unterwegs ist. Wenn man sich gegenseitig erzählt, was man erlebt hat, wird einem viel bewusster als sonst, welch ein Schatz der Glaube eigentlich ist. Das besondere ist, dass dieser Schatz nicht kleiner, sondern größer wird, wenn man ihn teilt.

So mancher Deutsche, der wie ich schon einmal bei Misiones dabei sein konnte, fragt sich, ob das nicht auch bei uns in Deutschland möglich wäre. Man ist schnell dabei, sich zu sagen, dass bei uns die Verhältnisse doch ganz anders sind. Das ist auch richtig, aber sprechen da nicht vor allem die erwähnten Hemmschwellen? Wäre es nicht möglich, dass man es einfach mal ausprobiert und dabei vielleicht genauso beeindruckende Erfahrungen macht, die das eigene Vorstellungsvermögen übersteigen? Sicher, man kann das Konzept nicht einfach kopieren, sondern muss überlegen, was bei uns möglich und sinnvoll wäre, aber einen Versuch wäre es doch mal wert. Schließlich müssen wir doch raus aus unseren Kirchenmauern!

 

Artikel erschien in der Zapfsäule KING SIZE II 2007 "Zukunft beleben"

 
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