Solche Reaktionen motivieren ihn und seine Gruppe immer wieder, eine Menge Freizeit und Kraft einzusetzen für dieses Projekt.
Es geht um den Glauben
Für jeweils eine Woche ging er mit den Jugendlichen und Erwachsenen
nach Itacurubi – nach Absprache mit dem Pfarrer. In einer Schule
campierten sie und richteten das Zentrum ein: Räume zum Übernachten,
Räume der Begegnung, eine Kapelle und so weiter. Jugendliche leiteten
das ganze Projekt. Morgens besuchten sie in kleinen Gruppen die Leute
in den Häusern. Nachmittags und abends fanden workshops und
Gesprächsrunden im „Zentrum“ statt. „Es geht uns dabei nicht in erster
Linie um Sozialarbeit, sondern um den Glauben“, erklärt Guillermo.
„Meistens führen wir ein Theaterstück auf mit einer religiösen
Botschaft. Am Ende der misiones veranstalten wir ein riesiges Fest für
die Kinder. Jeder unserer Jugendlichen hat dabei seine Aufgabe. Wir
hatten schon 700 Kinder, an einem anderen Ort 1200.
Zum Schluss feiern wir eine heilige Messe mit dem Pfarrer der
Gemeinde, der während der ganzen Zeit unser Ansprechpartner ist. Wir
berichten ihm von unseren Gesprächen in den Häusern und wo wir Bedarf
sehen. Wir sehen dieses Projekt als unseren Dienst von Schönstatt aus
an der Kirche.“
on tour durch Europa
Guillermo steht im letzten Jahr vor seinem Schulabschluss. Wie seine
Brüder ist er leidenschaftlicher Fußballspieler. Er verbringt gerade
eine Auslandszeit als Austauschschüler in Catania, Italien. Mit seinen
Eltern traf er sich in diesem Sommer und tourte durch Europa. Dabei
machte er auch für einige Tage Station in Schönstatt auf dem
Josef-Kentenich-Hof in Hillscheid. Da ich die ganzen Sommermonate dort
mit Familientagungen verbrachte, lernten wir uns kennen.
Was macht Schönstatt zukunftsfähig?
Als ich um diesen Artikel für die Zapfsäule gefragt wurde mit der
Leitfrage: „Was macht Schönstatt zukunftsfähig?“ fiel mir dieses
Gespräch ein. Die misiones sind eines von vielen existierenden und noch
viel mehr möglichen Projekten, durch die Schönstätter Glauben erfahren
und weitergeben. Zukunftsfähige Projekte zeichnen sich aus durch
herausfordernde Ziele, durch engagierte und identifizierte Teilnehmer
und missionarischen Biss.
Zwei Pferde in die gleiche Richtung lenken
Wie kommen wir zu identifizierten Teilnehmern und missionarischem Biss?
Die schon oft zitierte Janne Haaland Matláry, bis 2000 norwegische
stellvertretende Außenministerin, über deren spannenden Weg zum
Katholizismus ich vor kurzem las, greift mit ihren Überlegungen genau
in diese Fragestellung. Sie erlebte das Gebet und die Mitfeier der
heiligen Messe als persönliche Oase. Sobald sie aber ihren
Alltagsgeschäften als Wissenschaftlerin, Ehefrau und Mutter nachging –
und das im 5. Gang – schien der Glaube nichts mehr mit dem Leben zu tun
zu haben. 'Ich sitze auf zwei Pferden, die in verschiedene Richtungen
reiten', so drückte sie ihr Dilemma aus. Erst als sie entdeckte, dass
sie eine Aufgabe, eine Berufung hat als Katholikin in der Politik, dass
Glaube nicht nur eine persönliche Nische sein kann, sondern ein Auftrag
bedeutet, gelang es ihr, beide PS in die gleiche Richtung zu
lenken und die volle Kraft auszunutzen.
Kolumbus werden
Als sich Pater Kentenich im Oktober 1967 mit Delegierten der
Schönstattbewegung traf, versuchte er sie ganz analog zu Janne Haaland
Matlárys Erfahrungen auszurichten: „Nicht so, als wenn wir nur ständig
im Kämmerlein sitzen sollten und wollten und beten. Nicht so, als
würden wir den Vorwurf verdienen: stilles innerliches Leben führen wir
... Sicher, das wollen wir auch, aber das alles nur, um letzten Endes
Welteneroberer zu werden, Kolumbus erneut darstellen, eine neue Welt
bauen, sie Gott zu Füßen zu legen, teilnehmen an der großen Sendung der
lieben Gottesmutter in der heutigen Zeit.“
Was macht Schönstatt zukunftsfähig?
Auf dem Pferd der Aktion und der Kontemplation reiten in einer gelungenen Balance.
Wenn ich die Landschaft unserer Schönstattbewegung in Deutschland zur
Zeit auf mich wirken lasse, dann dürfte die Waage der Balance noch viel
stärker zu Gunsten der Aktion ausschlagen.
Wie kommen wir zu kreativen Ideen und der Power, sie durchzuführen?
Woher nehmen wir den richtigen Spürsinn für das, was jetzt dran ist?
Wie kommen wir gleichzeitig zu spirituellem Tiefgang?
Zu den essentials vorstoßen
Vor einigen Jahren stieß eine junge Familie zum
Schönstatt-Familienbund. Der Mann ist ein kritischer Theologe. Er hat
die schönstättische Spiritualität gleichsam mit einem „Hammer
sorgfältig abgeklopft“. Am Ende der zweiten Tagung sagte er: „Das, was
ich in diesen Tagen über Pater Kentenich erfahren habe, macht mir
deutlich, dass ich da irgendwie den Schlüssel zu Schönstatt finde. Ganz
viel hängt mit seiner Person zusammen. Etwas zu erfahren über ihn
erschließt mir das Ganze mehr. Deshalb ist mir das wichtig, in der
nächsten Zeit darüber noch mehr zu erfahren.“
Bei Pater Kentenich in die Schule gehen, sich seinen Worten nähern und
stellen, dabei auch bereit sein, manche Nuss zu knacken, das gibt mit
der Zeit den sicheren Spürsinn. Das gehört zu den essentials, die
Schönstatt zukunftsfähig machen.
Artikel erschien in der Zapfsäule KING SIZE II 2007 "Zukunft beleben"