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Schönstatt braucht mehr Imagepflege Drucken E-Mail

von Georg Zimmerer

Wenn wir anderen Menschen begegnen, haben wir das Bestreben bei diesen einen bestimmten Eindruck zu erzeugen. Wir versuchen unser Selbstbild mit dem Bild (dem Image) des Anderen in Einklang zu bringen.

Image Wenn wir den Begriff ins deutsche übersetzen wollen - zumindest teilweise - so könnten wir von „Imagepflege“ sprechen. Dabei gibt es eine Vielzahl von Facetten unseres Bildes, die wir ins rechte Licht zur rücken versuchen. Bei diesem Bestreben stehen uns eine Reihe von Techniken zur Verfügung, die Goffman mit denen eines Theaters vergleicht: Beispielhaft seien hierfür folgende genannt: Durch persönliche und soziale „Fassaden“ gestalten wir das „Bühnenbild“, also den Raum, in dem wir auftreten. Sie sind wiederum Teil einer „dramaturgischen Gestaltung“ in der wir u.a. besondere Leistungen hervorheben und gerne auch „idealisieren“. Wie Goffman selbstkritisch bemerkt, erweckt die Theatermetapher den Eindruck, dass man dem Anderen nur etwas „vorspielt“. Dies ist aber damit nicht gemeint, zumindest nicht zwangsläufig. Vielmehr gelte es in der Interaktion sein „wahres Selbst“ aufscheinen zu lassen.

Heben wir diesen Sachverhalt - zumindest vorübergehend - auf die kollektive Ebene, indem wir ihn auf die Schönstattbewegung übertragen. Betrachtet man Schönstatt als Identität, besteht auch hier das Bestreben ein günstiges Bild beim Gegenüber zu erzeugen. Über die Frage, ob es dabei ein „wahres Selbst“ gibt und wie dieses aussieht, könnte man nun ausgiebig diskutieren. Es soll hier aber um anderes gehen: Betreiben wir in Schönstatt erfolgreich Imagepflege? Und wie kann das funktionieren? Der Rahmen dieses Artikels reicht freilich nicht dazu aus, eine ausführliche Analyse aufzuzeigen. Deshalb sollen hier nur vier wesentliche Punkte umrissen werden:

Zunächst müssen wir uns immer wieder neu eine banale und doch so wichtige Tatsache vor Augen führen: Der Andere kann ein ganz anderes Bild bekommen von mir oder von dem was ich meine, als ich es selbst habe bzw. was ich sagen möchte. Wir kommunizieren - bewusst oder unbewusst - mit Zeichen, die immer mehr oder weniger auslegungsbedürftig und interpretationsoffen sind. Eigentlich ganz simpel und nichts Neues, und doch neigen wir immer wieder dazu das zu vergessen. So kann es sein, dass wir in einer Schönstattgruppe mit Begriffen hantieren und Verhaltensmuster an den Tag legen, die uns selbst zwar klar sind (und selbst das ist nicht immer der Fall), Nichteingeweihten jedoch fremd und missverständlich erscheinen. Wir müssen also lernen unsere Inhalte verständlich und wenn möglich auch in Abhängigkeit zum Gegenüber und seinen Fragen, mitzuteilen. Selbstverständlich gibt es hier eine Vielzahl an guten Versionen. Dabei ist auch auf eine gute Balance zu achten zwischen gesundem Selbstvertrauen sowie vorsichtigem Vortasten und Abschätzen der Wirkung unserer Worte. In jedem Fall ist es hilfreich, sich verschiedene Inhalte einmal so bewusst zu machen, dass man sie auch weitersagen kann. Deshalb halte ich die Aktion „Erklär mit Schönstatt“ für einen hervorragenden Ansatz.

Ein zweiter Zugang zum Thema: Charakteristisch für Bilder ist ferner ihre Potentialität. Wenn wir z.B. ein Porträt anschauen, dann weckt dieses Assoziationen in uns, die auf ein „Dahinter“ verweisen. Die Frage ist also: Wie schaffen wir es uns so darzustellen, dass der andere ein Interesse daran bekommt, was hinter diesem Schönstätter, dieser MTA, diesem Zeltlager oder diesem Schönstatthaus steckt?

Dabei muss es nicht immer der Skandal sein, der die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Es gibt auch andere wirkungsvolle Techniken: Beispielsweise indem man das Besondere und Außergewöhnliche von Schönstatt kommuniziert, und das möglichst passend zum Gegenüber, Zeit und Situation. Gleichzeitig kann es von Vorteil sein, die Methode der „Mystifikation“ anzuwenden, indem man zunächst eher in Andeutungen spricht, die ein Nachfragen und dann ein ausführlicheres Gespräch nach sich ziehen.

Von besonderer Bedeutung ist es - gerade in Zeiten zunehmender Ästhetisierung und Erfahrungserwartungen von Glauben - die Schönheit zu betonen. Denn der Glaube erreicht in seiner Erfahrbarkeit v.a. über die Schönheit die Herzen der Menschen. Wir verweilen mit unseren Sinnen gerne da, wo es schön ist. So kann ich mich darum bemühen meine Gedanken in schöne Worte zu verpacken. Es geht darum unsere Zentren so zu gestalten, dass man sich wohl fühlt sowie sich zu bemühen um eine ansprechende und würdige Liturgie, um eine schöne musikalischer Gestaltung etc. Nicht zuletzt lösen wir beim anderen etwas aus, wenn wir in ihrer Schönheit unsere MTA vorzeigen, verschenken oder wandern lassen.

Image Drittens und von besonderer Bedeutung scheint mir die Tatsache, dass vor allem die Menschen mit ihren Gesichtern das Image Schönstatts bilden, das sich letztlich aus so vielen Gesichtern zusammensetzt, wie es Menschen bei Schönstatt gibt. Und dabei gilt das Motto: „Der Bote ist die Botschaft“. Indem wir also als authentische Persönlichkeiten unser Persönliches Ideal lebend und als „neue Menschen“ (siehe Artikel P. King) in Erscheinung treten, erwecken wir beim Anderen das Interesse, was und welche Geschichte da dahinter steckt. Bemühen wir uns also mit der uns vom Gründer gegebenen Pädagogik, uns zu Gesichtern zu erziehen, die auf etwas „Dahinter-Seiendes“ verweisen!

Und ein letzter Aspekt: Das Image, mit dem wir es zu tun haben, schafft immer einen Rahmen für weitere Kommunikation. D.h. je nach Bild, das ich antreffe, entwickelt sich daran ein Gespräch über Schönstatt bzw. über den Glauben an Gott.

Zwei Punkte scheinen mir dabei besonders wichtig: Zum einen muss es mir gelingen genügen Vertrauen beim Gegenüber zu erzeugen, so dass dieser zu einer persönlichem Gespräch bereit ist. Zum anderen ist darauf zu achten, dass ich mit meinen Zeichen beim anderen anschlussfähig bin, so dass dieser etwas darauf sagen kann, z.B. Vergleiche mit anderen Erfahrungen aus seinem Leben anstellen kann. Wenig sinnvoll erscheint es mir hingegen sich mit Nichtschönstättern über die Gestaltung eines Hausheiligtums auszutauschen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Man könnte bei solchen Voraussetzungen für glückende Kommunikation schließlich auch von Glückungsbedingungen sprechen. Es sollte eigentlich jeder Alltagssoziologe genug sein, nach weitern solcher Bedingungen zu suchen.

Dass neben all diesen Techniken und Strategien der Heilige Geist eine entscheidende Rolle spielt, möchte ich am Ende ausdrücklich betonen. Doch sollten wir es nicht versäumen, ihn mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln bei seiner Arbeit zu unterstützen.

 
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