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Miteinander in die neueste Zeit Drucken E-Mail

Zukunftsforum 2008 der deutschen Schönstattbewegung

Ein Resümee von P. Dr. Lothar Penners (Bewegungsleiter)  

Vom 11. bis 13. April 2008 tagte auf Berg Schönstatt das Zukunftsforum der Bewegung hierzulande. - Wer Foyer und Aula des Pater-Kentenich-Hauses während dieser Tage auf sich wirken ließ, begegnete ca. 190 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchweg in eifrigem Gespräch über Zukunftsfragen der Schönstattbewegung in Deutschland.

 Insgesamt war es ein bunter Querschnitt durch die verschiedenen Gruppierungen: Gemeinschaften (Bünde, Verbände), Ligagliederungen, Initiativen und „Diözesen“; „freischaffende Künstler“ waren selbstverständlich auch mit einbezogen.

Die Idee zu einem solchen Forum kam zunächst auf im Zusammenhang erster Überlegungen zur Vorbereitung des Jubiläums 2014 und auch einer gewissen Unzufriedenheit mit dem Besuch der jährlichen Delegiertentagung (Oktoberwoche) der deutschen Schönstattbewegung in den letzten Jahren: zu wenig generationsübergreifende und, im Blick auf die Engagements Schönstatts, zu wenig repräsentative Besucherschaft; trotz relativ aufwendiger Vorbereitung mitunter zu wenig dynamischer Effekt – so jedenfalls Tendenzen in der Meinungsbildung in Kreisen der Zentrale, d. h. dem Kreis der hauptamtlich in der Bewegung eingesetzten Kräfte und deren Team-Chefs. Es wurde der Ruf wach, einen Veranstaltungstyp eigener Art zu kreieren, welcher vor allen Dingen mehr Arbeits-Charakter haben sollte. Daraufhin kam es im Frühjahr 2007 in einer gemeinsamen Beratung von Landespräsidium und Zentralrat zu einer Entschließung, ein solches Projekt ins Auge zu fassen. Der Bewegungsleiter, P. Penners, wurde gebeten, die Durchführung des Projekts in die Hand zu nehmen. Ihm selbst wurde recht schnell klar, dass es dazu auch einer qualifizierten Mithilfe bedurfte, die er in Schw. M. Vernita Weiß in einer teilweisen Freistellung erhielt.

Worum sollte es der Zielsetzung nach in einem solchen Forum gehen? Der Eingangsimpuls signalisierte eine dreifache Zielrichtung des Forums, ohne damit die Frage nach dem Warum und Ziel des auf Prozesshaftigkeit angelegten Vorhabens definitiv klären zu können und zu wollen: Es gehe darum, 

  • den sich abzeichnenden Gestaltwandel der Schönstattbewegung wahrzunehmen (Altersstruktur; die drastische Verschiebung zu den Familiengemeinschaften; der Trend zur Mitarbeit an Projekten etc.);
  • ebenso die vorhandenen Ressourcen an Personen, deren Begabungen und Engagements,
  • erste Schritte zu ermöglichen im Blick auf die signalisierten Veränderungen


Diese Veränderungen traten deutlich zutage in einem Beteiligungsprozess, in dem fünf- bis siebenhundert Personen an Stellungnahmen zur aktuellen Situation der Bewegung in Deutschland beteiligt waren. In dieser Meinungserhebung traten namentlich folgende Desiderate zutage:

  • mehr Miteinander in „Schönstatt“: aus einer gewissen Parzellierung zu einem effektiveren Zusammen in einem Klima der Wertschätzung und Kooperation,
  • zeitgerechte Schwerpunktbildung: Familienarbeit (Familiengliederungen, Familien¬pro¬jekte zwischen Hausgesprächen und Familien-Akademien),
  • Sensibilität für Zeitnöte,
  • Förderung von Projekten und Initiativen,
  • Verheutigung und Zeitnähe in Sprache, Design und Präsentation der Bewegung in ihren verschiedenen Veranstaltungstypen.

Für das sich bildende Team zur Vorbereitung des Forums (aus Vertretern der Zentrale, des Landespräsidiums und der Diözesanverantwortlichen) und der Forumsleitung (vgl. Moderation Prof. Rolf Stein; P. Ludwig Güthlein; Schw. M. Vernita Weiß; P. L. Penners) stellte sich damit die Aufgabe, aus diesen Desideraten nicht nur Tagungsinhalte werden zu lassen, sondern zu einem arteigenen Tagungsdesign zu kommen. Einem neuen Miteinander diente in diesem Sinne vor allem in den Programmpunkten: relativ viel Raum für gegenseitigen Austausch; freie Rede, in der Stellung genommen werden konnte zur Situation der Schönstattbewegung; Vorstellung von Projekten und Initiativen; die sogenannten „prophetischen Impulse“ zur Aktualisierung der Kernkompetenz Schönstatts: je neue Positionierung durch den Gott des Lebens (Regens Emge); Persönlichkeitsbildung und Gemeinschaftskultur heute (Ordinariats¬direktorin Dr. Gertrud Pollak); zum Marianischen in der Sendung Schönstatts (P. Ludwig Güthlein, Zentralrat); Aneignung des Gründererbes (Schw. Dr. M. Nurit Stosiek, Standesleiterin Akademikerinnen) und schließlich die Arbeit in den ca. 18 Arbeitskreisen, welche eine realistische Erfassung der Situation mit der Möglichkeit verbanden, erste Schritte anzubahnen im Sinne anzustrebender Veränderungen (von der Lage kleiner Schönstattzentren; Öffentlichkeitsarbeit; Fragen einer Lokalisierung der Schönstatt-Pädagogik bis zur Zusam¬menarbeit mit anderen Kräften in Kirche, Ökumene und Gesellschaft).

Was nicht zu planen war, aber vielfältig nicht nur gewünscht, sondern buchstäblich auch erbetet wurde, war vor allen Dingen ein Doppeltes: eine hochmotivierte Teilnehmerschaft, die schnell miteinander ins Gespräch kam, und in diesem bereits angedeuteten Miteinander von engagierten Schönstättern breitete sich ein Klima des Vertrauens und der Zuversicht aus, dass bei allen zu erwarteten Veränderungen die Bewegung in diesem Land nicht ohne Bereitschaft, Begabungen und Initiativen ist, welche allen Anlass geben, in einem Klima der Hoffnung und der Zuversicht in die neueste Zeit zu gehen. Der Schriftzug aus dem Grußwort Pater Kente¬nichs für die Schönstattfamilie beim Essener Katholikentag prägte nicht nur die Stirnwand der Aula im Pater-Kentenich-Haus, sondern wurde immer mehr für die versammelten Teilnehmerschaft zu einem Verdichtungspunkt in dem, was sie in den Tagen erlebten: ein gewisses Klima des Aufbruchs und der Solidarisierung. Dazu trug nicht wenig bei, dass die junge Ge¬neration vor allen Dingen in den jungen Erwachsenen gut vertreten war und dabei namentlich das Projekt „Erklär mir Schönstatt“ vorstellte. Ebenso das In- und Miteinander von Zeiten des Gesprächs, der Reflexion und des geistlichen Hörens und Antwortens auf die Führungs¬momente der Vorsehung. Dazu zählen nicht nur die Herauforderungen, welche offen ange¬sprochen wurden, sondern gerade auch die Geschenke, welche zumal die Schönstattbewegung in Deutschland in den letzten Jahren erhalten hat: eine entzündete und entzündbare Jugend (vgl. Weltjugendtag; Jugendfest München etc.), ein ganzer Kranz von Projekten (vgl. Pilgernde Gottesmutter; Spurensuche; Familien-Akademien etc.); die Neubesinnung auf das Urheiligtum als geistlicher und apostolischer Mitte unserer Familie; das geschwisterliche Miteinander mit den anderen Bewegungen und schließlich die Tatsache, dass 40 Jahre nach dem Tod Pater Kentenichs in Erzbischof Dr. Zollitsch ein Schönstattpriester an die Spitze der Deutschen Bischofskonferenz berufen wurde.

Zum Gelingen des Zukunftsforums hat sicher wesentlich auch beigetragen, dass es im Pater-Kentenich-Haus stattfinden konnte, das sich selbst gleichsam noch einmal neu entdecken durfte. Namentlich in den sich ergänzenden Funktionen der ansprechend gestalteten Aula und dem Foyer, in dem sich die familienhafte Begegnung vollziehen konnte; die geistliche Nähe Pater Kentenichs und seines Charismas war stets gegenwärtig und kam besonders schön zum Ausdruck am 12. April, dem Samstagvormittag im Ablauf der Veranstaltung, in der Hinbe¬wegung der Teilnehmer zur Statue, vor welcher der neunjährige Josef Kentenich zusammen mit seiner Mutter die Weihe an Maria vollzogen hatte.

Ob der Ort Schönstatt nicht gerade auf 2014 hin, unbeschadet der Häuser und Heiligtümer einzelner Gemeinschaften, ein Kongresszentrum brauchte, das, genuin geprägt vom Geist der Bewegung, solcher Art Arbeit, geistlicher Inspiration und familienhafter Begegnung ermöglicht? In früheren Jahrzehnten hat das sog. „Bundesheim“ offensichtlich etwas von dieser zentralen Funktion inne gehabt.

Für das gesamt Zukunftsforum bleibt indessen Aufgabe, was bei der Veranstaltung immer wieder deutlich wurde: Es ist nicht zunächst ein Treffen, sondern ein Prozess. Nicht so sehr Themen sind gefragt, sondern Impulshaftigkeit; nicht zunächst grundrisshafte Doktrin, sondern aufbrechendes Miteinander. Die nächste Zwischenstation: Februar 2009!


P. Dr. Lothar Penners

 
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(C) 2008 Zukunftsforum Schoenstatt