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Liebe Sr.
Vernita, lieber P. Güthlein, liebes Leitungsteam,
auch wir
sind mit vielen neuen Eindrücken und gemischten Gefühlen wieder nach Hause
gefahren.
Wieder
einmal hat sich gezeigt, dass in Schönstatt sehr viele fähige Menschen mit sehr
unterschiedlichen Talenten tätig sind.
Starke
Reden und pointierte Statements, viele junge und hoffnungsfrohe
Gesichter, meditative Gedichte und Gesänge, frohe Lieder und
Percussion-Gesang, Kunst und Kultur, gute Begegnungen und Diskussionen,
Messfeiern mit interessanten Predigten und vielen Konzelebranten, all das hat
es in Fülle gegeben.
Die
Gesamtorganisation verlief nicht zuletzt aufgrund der guten Vorbereitung und
der exzellenten Moderation sehr zufrieden stellend.
Besonders
gut hat uns der Vortrag von Herrn Maas gefallen. Gibt es eine Möglichkeit, den
Vortrag nachzulesen oder per Mail zu erhalten?
Leider gab
es keine Teilnehmerliste mit Mail Adressen, so dass wir uns nicht direkt mit
Herrn Maas in Verbindung setzen können.
Trotz der
vielen positiven Eindrücke bleibt jedoch auch ein wenig das Gefühl zurück, dass
es noch mehr geben muss, dass noch einiges mehr geschehen muss, damit die
deutsche Schönstattbewegung zukunftsfähig wird oder bleibt, je nachdem wie man
es betrachtet.
Für uns
haben zwei zentrale Punkte das ZF2 dominiert:
- Der Ruf nach einem Mehr an
Miteinander und die Frage, wie dieser Wunsch bei der Fülle der
Einzelaktivitäten überzeugend umzusetzen ist
- Der Ruf nach neuen
Gemeinschaftsformen schönstättischen Lebens mit offiziell anerkanntem,
gleichberechtigtem Status
Die
Zukunftsaufgabe besteht nun darin, beide Wünsche zusammen zu führen.
Offensichtlich war diese Notwendigkeit bereits (zumindest ansatzweise) beim
ersten Zukunftsforum erkennbar. Der Erwartungsdruck wächst, dass nun bald etwas
Konkretes geschehen muss, sonst macht sich Frustration breit. Nach unserem
Dafürhalten ist der Zukunftsprozess nun an einem ganz entscheidenden Punkt
angekommen. Bei aller möglicherweise gebotenen spirituellen Erneuerung und der
Vorbereitung auf die Jubiläumsfeier 2014 hat sich für uns deutlich gezeigt,
dass es auch Veränderungen in der „Organisation“ Schönstatt geben muss. Es
scheint so, als müsse Schönstatt noch einmal neu gestaltet und neu organisiert
werden, um die Vision P. Kentenichs vom Neuen Menschen in der neuen
Gemeinschaft in die Zukunft tragen zu können. Seine
heilsgeschichtliche Sendung lässt sich nur verwirklichen, wenn wir unser
Streben nach geschwisterlichem Miteinander und eine vertrauensvollen
Bindung aneinander auch organisatorisch unterstützen. Dabei sind die geeigneten
Steuerungsmechanismen für einen solch föderalen Apparat, wie Schönstatt sich
heute darstellt, zu diskutieren und neu zu organisieren (wie auch schon im
Vortrag von Herrn Maas angesprochen wurde). Nun hat sich jedoch der bisherige Zukunftsprozess
noch vergleichsweise wenig mit organisatorischen und profanen Fragen
beschäftigt. Auch die meisten Teilnehmer sind nach unserem Eindruck eher an
spirituellen Dingen in Schönstatt interessiert.
Zu Beginn
eines Veränderungsprozesses steht in der Regel eine Stärken-Schwächen-Analyse.
Eine solche Analyse ist unseres Erachtens bislang noch nicht ausreichend
geleistet. Unsere persönliche, naturgemäß stark individuell geprägte, sehr
unvollkommene Einschätzung sieht folgendermaßen aus:
Stärken:
- Geistpflege soviel wie
möglich,..
- Liebesbündnis
- Föderale Strukturen
- Schönstatt – Ort der
Beheimatung
- Urheiligtum – Hausheiligtum –
Herzensheiligtum
- Der „Neue Mensch“, als freies
Individuum
- …
Schwächen:
- Außendarstellung
- Medienkompetenz
- Koordination der Aktivitäten
- Kommunikation - Streitkultur
- Veralterte Strukturen
- Starre Strukturen in einzelnen
Gliederungen
- Starre Gebietsstrukturen
- Die „Neue Gemeinschaft“ – die
Bindung an Zweitursachen
- Gehorsam wird manchmal mit
Obrigkeitshörigkeit verwechselt
- Gut gemeint scheint wichtiger
zu sein als gut gemacht
- …
Auf solch
einem Zukunftsforum wie dem ZF2 kommen vielleicht viele Ideen und
Projektvorschläge, an deren Umsetzung einzelne Gruppen selbstständig arbeiten
können und dies auch hoffentlich in Angriff nehmen. Jeder einzelne Schönstätter
hat die Möglichkeit, sich zu engagieren, entweder in bestehenden Projekten oder
in neuen eigenen. Auch zu einem Mehr an Miteinander hat es ganz konkrete
Vorschläge und Aktivitäten gegeben. Dennoch meinen wir, wurde auf dem Forum
deutlich, dass all dies noch längst nicht ausreicht. Uns scheint, dass es einen
Aufbruch in den Strukturen geben muss. Die Form muss sich wandeln und anpassen,
um die neuen Strömungen aufnehmen zu können. Manches, was von „Schönstatt 2.0“
und den „Jungen Erwachsenen“ vorgetragen wurde, fanden wir noch etwas
„unfertig“, kann also nicht vorbehaltlos übernommen werden. Dennoch führt
aus unserer Sicht kein Weg daran vorbei, dass sich in den
Organisationsstrukturen etwas ändern muss, wenn Schönstatt diese junge starke Energie
behalten und in ihr Apostolat einbeziehen möchte.
Also: Was
muss unserer Meinung nach passieren?
Wenn es
um die Organisation Schönstatts geht, ist nicht nur der einzelne, sondern
auch jede einzelne Gruppe oder Gliederung für sich allein hilflos und machtlos.
Was also derzeit niemand alleine leisten kann, ist, eine Veränderung von
organisatorischen Strukturen vorzunehmen. Das Zukunftsforum stellt so etwas wie
einen „bottom-up-Prozess“ dar (Oder ist das ZF3 als eine Art Konzil mit
Beschlusskompetenz geplant?). Eine Veränderung von Organisationsstrukturen
setzt jedoch auch einen „top-down-Prozess“ voraus. Die Konsequenz hieraus
heißt: Jetzt ist die Leitung gefordert, die Rahmenbedingungen dafür zu
schaffen, dass es weiter gehen kann, dass sich in den Strukturen etwas ändern
kann.
Wenn
jetzt nicht von der Leitung eine Reorganisation Schönstatts ernsthaft und
deutlich erkennbar in Angriff genommen wird, besteht die Gefahr einer
Vergreisung der Mitglieder und einer Verarmung der spirituellen Werte Schönstatts.
Soweit zum
„Was muss passieren?“.
Aber auch
das „Wie?“ muss bedacht werden. Auf dem Zukunftsforum ist der Ruf nach mehr
Professionalität deutlich geworden. In Zeiten knapper werdender Ressourcen und
ständiger Überlastung der Priester und Marienschwestern kommen noch zusätzlich
die Rufe und Forderungen nach verstärkter geistlicher Begleitung. Das wurde in
dem Beitrag von „Schönstatt 2.0“ deutlich. Das bedeutet, dass die Spiritualität
zu verkümmern droht, wenn das Management der vorhandenen Ressourcen nicht
verbessert und professioneller wird.
Benötigen
wir also Hilfe von außen?
Vielleicht
ja, zumindest ist es eher unwahrscheinlich, dass Theologen allein die optimale
Lösung finden werden.
Man könnte
also meinen, dass Schönstatt sich eine Unternehmensberatung wie Roland Berger
oder Boston Consulting ins Haus holen solle, aber vielleicht geht es auch
anders. Vielleicht könnte Schönstatt eine Unternehmensberatung in eigener Sache
gründen. Das Zukunftsforum hat gezeigt, dass es in Schönstatt viele
Talente gibt. Sicherlich auch solche, die sich mit Organisation und Management
auskennen. Wenn es gelingt, eine schönstättische Unternehmensberatung zu
rekrutieren, die fachliches Know-how mit dem Menschenbild und pädagogischen
Konzept Kentenichs zu verbinden weiß, könnte dies eine gute Hilfe bei der
Reorganisation Schönstatts sein. Ansatzpunkte, wo man entsprechende Leute
finden kann, gibt es sicher über das Oberkirchener Wirtschaftsforum, Familie
Wieland oder den ehemaligen Kreis „Management und Familie“ von Pater Beller
(Sr. Annetraut hat bestimmt noch die Adressen, wenn nicht, könnten wir auch ein
wenig weiter helfen). Auch sind sicher dem einen oder anderen genügend fähige
Köpfe persönlich bekannt.
Soweit
unsere Eindrücke und internen Diskussionsergebnisse zum ZF2. Wir hoffen, dass
Ihnen dieses Feedback für Ihre Klausurtagung nützlich ist.
Gerne
stehen wir Ihnen für Rückfragen zur Verfügung. Wegen starken beruflichen
Engagements und der räumlichen Entfernung (Vieles findet ja noch weit südlich
von Schönstatt statt) sind wir nicht in der Lage, regelmäßig an Treffen
teilzunehmen. Gerne sind wir aber bereit, auf elektronischem oder telefonischem
Weg mitzumachen, den Zukunftsprozess weiter zu unterstützen, über E-Mail
Kontakt zu halten und uns auf diesem Wege so gut es geht einzubringen. Wir sind
sehr gespannt, wie es weiter geht.
Mit besten
Grüßen und Wünschen für Sie persönlich und für den Zukunftsprozess
MLL
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