während der
langen Rückreise nach München gestern hatte ich ausgiebig Zeit, die Tage des
Zukunftsforums zu reflektieren. Ich möchte Sie gerne teilhaben lassen an meinen
Gedanken und sie als konstruktiven Beitrag gesehen wissen. Mir ist der
Zukunftsprozess ein wichtiges Anliegen, das auf jeden Fall weiter gehen muss
und deshalb möchte ich mich mit meinen Überlegungen einbringen.
VORBEMERKUNGEN
Zuerst
möchte ich ein paar Bemerkungen zu meiner persönlichen Einschätzung der
Situation im allgemeinen machen.
1. Wie
alles, was lebt, ist auch der Zukunftsprozess den Wachstumsgesetzen
unterworfen. Das bedeutet, dass sich zwar stetig etwas weiterentwickelt, aber
nicht kontinuierlich im gleichen Maß. Stattdessen gibt es Schübe und
(vermeidliche) Stagnationsphasen im Wechsel. Meiner Meinung nach befinden wir
uns im Zukunftsprozess gerade in einer solchen letzteren. Deshalb ist es für
mich keine Lösung, abzuspringen, denn das wäre kontraproduktiv. Wir brauchen
das Bewusstsein, dass das eine unvermeidliche Phase ist, die wir meistern
müssen.
2. Bei mir
drängen sich Parallelen zur Situation der NdH 2006 auf: Das Gefühl der
Unzufriedenheit über die Veranstaltung bewirkte damals verstärkte Initiative
und aktives Einbringen von vielen, denen die Veranstaltung und deren Gelingen
ein großes Anliegen war. Ganz ähnlich erlebe ich es jetzt mit dem ZF II. Für
mich ist das das die Taktik des Himmels – es bewirkt, dass wir nicht zufrieden
heimfahren in der Meinung, dass ja alles super läuft, sondern uns
herausgefordert fühlen, mitzudenken und mitzuarbeiten, wenn es weiter gehen
soll.
Soweit die
Vorbemerkungen, nun zu den konkreten Hinweisen und Überlegungen.
PLÄDOYER
1.Dem Leben eine Plattform geben!
Meiner
Meinung nach sollte die Tagung eine Ausrichtung haben, die vom bereits
vorhandenen (oder im Entstehen begriffenen) Leben ausgeht, das in den
Teilnehmern lebendig ist. Es gibt so viele Ideen, Visionen, Vorstellungen,
Wünsche, Träume, die vielfach auch gar nicht so utopisch, sondern tatsächlich
umsetzbar sind (und darüber hinaus schon lange notwendig!) innerhalb der
aktiven Schönstätter, die nur einen geeigneten Rahmen brauchen, um angegangen
zu werden.
Das
Zukunftsforum bzw. der Zukunftsprozess ist für mich dieser optimale Rahmen, bei
dem dann allerdings die Rahmenbedingungen
entsprechend sein müssen:
a.Damit soviel Raum wie möglich für die kreative Entfaltung, Entwicklung und
Konkretisierung von Ideen und Anliegen ist, müssen alle anderen
(isolierten) Zusatzactions (wie zB Vaterspuren) weggelassen werden. Weniger ist
mehr!! (Richtwert: für jeden produktiven TOP doppelt so viel Zeit wie dieses
Mal einplanen.)
b.Der Anspruch, den Fokus auf das
Leben zu richten, beinhaltet auch eine flexiblere
Gestaltung des Programms je nach den situativen Bedürfnissen. Eine
kurzfristige Programmänderung muss dabei auch möglich sein.
c.Es ist notwendig, die Ideen und
Anliegen im Plenum auszusprechen und
darüber ins Gespräch zu kommen, damit sie breit rezipiert werden.
Genauso sollen (Zwischen-)Ergebnisse der Arbeitsgruppen im
Plenum vorgestellt werden und nicht nur als Word-Datei an das Leitungsteam
gegeben werden oder auf einem Wallpaper erscheinen (Ich habe es die ganzen Tage
nicht geschafft diese zu lesen, weil das Programm so dicht war.). Dadurch wird
erreicht, dass möglichst viele informiert sind – das schafft Transparenz (die
Voraussetzung für Miteinander!! – setzt allerdings auch voraus, dass sich die
anderen dafür interessieren[1]).
Außerdem können sich eventuell andere noch mit Ideen einschalten. Das wichtigste
ist aber, dass dadurch automatisch eine gemeinsame Strömung entsteht, weil
deutlich wird, dass wir zwar an unterschiedlichen Projekten, aber mit der
gleichen Zielsetzung, nämlich einer Erneuerung Schönstatts arbeiten!!
d.Insgesamt geht es bei einem Treffen
mit einer solchen Zielsetzung – nämlich Erneuerungskräfte zu wecken – nicht
darum, Impulse zu geben oder Input zu liefern (dafür gibt es andere
Veranstaltungen), sondern die Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen zu
schaffen, damit das vorhandene Leben zur Sprache gebracht werden und in die Tat
umgesetzt werden kann. (Denkbar wären höchstens „methodische“ Hinweise zur
kentenichschen Vorgehens- und Arbeitsweise, zB. ein kurzer Impuls zum Gesetz
der geöffneten Tür, der für die konkrete Arbeit in den Projekten hilfreich und
weiterführend sein könnte.)
2.Eine gemeinsame Zielrichtung
Wichtig
scheint mir in Zusammenhang mit oben gesagtem, dass die in diesem offenen Klima
entstehenden Initiativen und Projekte nicht ein wildes Sammelsurium im
Schönstatt-Kosmos bleiben, und sich die einzelnen Initiatoren nicht als einsame
Kämpfer sehen.
Vielmehr ist
eine Bündelung und Ausrichtung notwendig:
a.Der Knackpunkt dabei ist, dass das
vor allem eine Frage der mental-herzensmäßigen
Einstellung ist. Es muss das allgemeine Bewusstsein entstehen: Wir arbeiten
zwar alle an völlig unterschiedlichen Ideen, aber unsere Zielausrichtung ist
genau die gleiche, nämlich zB: Wir wollen Schönstatt zum Durchbruch verhelfen.
(Das könnte ein mögliches Ergebnis
eines Zentrierungsprozesses sein, andere sind auch denkbar.) Es handelt sich
dabei – schönstättisch gesprochen – um ein gemeinsames Ideal (das
notwendigerweise relativ abstrakt ist, weil sich viele damit identifizieren
sollen), das aber nicht nur eine schöne Idee ist, sondern sich in den laufenden
Projekten konkretisiert.
b.Wichtig ist die Haltung: Jedes
Projekt ist gleich viel wert und gleich notwendig um zu diesem gemeinsamen Ziel
zu kommen. Im Bild gesprochen: Wir bauen alle gemeinsam am Haus des neuen
Schönstatt, aber der eine fliest das Bad, der andere baut die Türen ein und der
dritte deckt das Dach. Alles ist notwendig, damit das Haus fertig wird, auch
wenn es sich um völlig verschiedene Arbeiten handelt. Also eine gegenseitige Wertschätzung, die
gleichzeitig bewirkt, dass ich mein Projekt nicht als die einzig selig machende
Lösung für alle Probleme Schönstatts betrachte, sondern den anderen Aktionen
ebenfalls ihre Berechtigung gebe, sie sogar als wichtige Ergänzung sehe.
Dieses
Bewusstsein der Einheit und des Miteinanders gibt uns mehr Durchschlagskraft,
von der wir ja so träumen!
3.Professionelle Unterstützung
Sich
professionelle Hilfe von außen zu holen, könnte in diesem extrem anspruchsvollen
Prozess sehr hilfreich sein. Ich denke an Sabine Wehner, die bei der Planungskonferenz
2014 für das Vorbereitungsteam und während der Durchführung eine sehr große
Bereicherung und Inspiration war und für ihre Arbeit von allen Seiten
Anerkennung bekommen hat.
4.Bete und arbeite
Wo viel
gearbeitet wird, ist auch viel Gebet/Gnadenkapital
notwendig. – Gnadenkapital ist zwar nicht alles, aber ohne Gnadenkapital
geht nichts!
a)Die spirituelle Unterstützung all
unserer Überlegungen und Aktionen ist absolut notwendig, aber meiner Meinung
nach bis jetzt zu kurz gekommen!
b)Dadurch könnten auch Kreise in
diesen Zukunftsprozess hineingenommen werden, die sich nicht aktiv beteiligen
können – sie sind aber genauso wichtig! Eine deutschlandweite Solidarität mit
dem Zukunftsforum, die sich in Gebetspatenschaften oä ausdrückt, kann viel
bewirken, wie die Erfahrungen bei der Planungskonferenz 2014 beweisen. Dadurch
wurde die ganze Welt in diese Konferenz und ihre Überlegungen miteinbezogen und
hat rege Anteil genommen an dessen Verlauf und Ergebnissen!
So, das wärs
von meiner Seite. Für Rückfragen usw. stehe ich gern zur Verfügung.
Viele Grüße
X
[1] Dieses muss bei der Tagung
von der Moderation im Vorfeld deutlich gemacht werden!
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